Laden der Hauptseite zum Projekt Schierlings-WasserfenchelE + E - Vorhaben "Pilotprojekt Schierlings-Wasserfenchel"
Ein Projekt des Botanischen Vereins zu Hamburg e. V.

Monitoring der Vegetations- und Populationsentwicklung am Priel

Vegetationsentwicklung

Im Mai 2000 wurden die Arbeiten zum Bau eines Priels im Süßwassergezeitenbereich der Elbe in Hamburg abgeschlossen. Mit Ausnahme von Aussaat und Anpflanzungen des Schierlings-Wasserfenchels (Oenanthe conioides) wurde der neue Tidebiotop sich selbst überlassen. Über einen Zeitraum von vier Jahren wurde die Vegetationsentwicklung am neuen Priels auf Dauerflächen beobachtet. Um einen Vergleich mit altbekannten Standorten des Schierlings-Wasserfenchels durchzuführen, wurden auch in weiteren Bereichen der periodisch überfluteten Elbufer in Hamburg und Niedersachsen Dauerflächen eingerichtet.

Im Wuchsbereich von Oenanthe conioides am neuen Priel nahm die Artenzahl in den ersten beiden Jahren zu. Insbesondere durch das Verschwinden nicht standortgerechter Arten verringerte sich die Zahl in den beiden Folgejahren. Die mittlere Vegetationsbedeckung am neuen Priel stieg bis 2002 an und fiel im darauf folgenden Jahr leicht ab. Dabei erreichten die Deckung schon nach einem Jahr Werte über 70 % und lagen damit deutlich über den mittleren Deckungen an den altbekannten Standorten. Prägend waren v.a. Arten der Schilfröhrichte wie Brunnenkresse (Nasturtium officinale) und Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea). Auch Wasserstern (Callitriche palustris agg.) erreichte hohe Deckungswerte.

In der weiteren Entwicklung waren die zunehmenden Deckungsgrade von weiteren Röhrichtarten wie Rohrkolben (Typha latifolia) und Schilfrohr (Phragmites australis) sowie von Wasserpfeffer (Persicaria hydropiper) auffällig. Weiterhin war oberhalb von MThw insbesondere im vierten Jahr eine deutliche Zunahme der Gehölzbedeckung zu verzeichnen. Im Laufe der Prielentwicklung konnte hinsichtlich der Artenzusammensetzung eine Entwicklung hin zu dem Inventar der altbekannten Standorte beobachtet werden.

Insgesamt zeigt sich, dass eine Besiedlung von neu geschaffenen Standorten im Gezeitenbereich der Süßwasserelbe auch ohne eine Anpflanzung von Röhrichtarten in kurzer Zeit stattfindet. Für die weitere Entwicklung des neuen Priels ist mit einer Zunahme der Schilfbestände zu rechnen. Zudem ist von einer Erhöhung der Gehölzbedeckung auszugehen. Es ist zu erwarten, dass auch zukünftig geeignete Bereiche für eine erfolgreiche Entwicklung des Schierlings-Wasserfenchels am neuen Priel erhalten bleiben bzw. durch Extrem-Ereignisse wie Sturmfluten oder Eisschur sowie durch die zunehmende Gehölzbeschattung neu entstehen werden.

Entwicklung der Bestände des Schierlings-Wasserfenchels

Aus zwei Aussaaten (4800 Teilfrüchte im April 2000 und 1200 im April 2002) und drei Auspflanzungen (36 Rosetten im September 2000 und Mai 2001 und 33 im Oktober 2001) haben sich im ersten und zweiten Sommer rund 200 Pflanzen entwickelt, im dritten Sommer waren daraus fast 400 und im vierten über 600 Pflanzen geworden. Zudem war immer eine gute bis sehr gute Reproduktion zu verzeichnen.

In Größe und Erhaltungszustand kann die Population verglichen werden mit der zweitgrößten natürlichen Population im NSG Schweenssand auf der Südseite der Süderelbe.

Die Entwicklung der übrigen Vegetation, die so dicht geworden ist, dass sie die meisten für den Schierlings-Wasserfenchels geeigneten Standorte besetzt, kann zukünftig problematisch für die Bestände werden. Es muss beobachtet werden, ob auf die Dauer genügend geeignete Standorte für eine eigenständige Populationsentwicklung vorhanden sind oder ob durch Pflegemaßnahmen nachgeholfen werden muss.

monitoring_priel1.jpg (122896 Byte)
Dokumentation der Vegetation am Priel Overhaken, Juni 2002

monitoring_priel2.jpg (102495 Byte)
Transekt mit Dauerquadraten am Priel, Mai 2001

monitoring_priel3.jpg (101955 Byte)
Der neue Priel im Mai 2001, im Vordergrund blühender Schierlings-Wasserfenchel (Foto: Neubecker)

monitoring_priel4.jpg (79882 Byte)
Priel Overhaken im Juni 2002 (Foto: Planula)