Laden der Hauptseite zum Projekt Schierlings-WasserfenchelE + E - Vorhaben "Pilotprojekt Schierlings-Wasserfenchel"
Ein Projekt des Botanischen Vereins zu Hamburg e. V.

Monitoring der natürlichen Populationen

Ermittlung aktueller Fundorte


Funde
Bereits vor Beginn des E+E-Vorhabens wurden verschiedene Standorte von Schierlings-Wasserfenchelpopulationen wissenschaftlich dokumentiert (BELOW et al. 1996). Im Rahmen des Pilotprojekts wurden diese Fundorte regelmäßig aufgesucht und die Populationsentwicklung dokumentiert. Zur Vervollständigung des Kenntnisstandes wird im Rahmen eines zusätzlichen Gutachtens das potentielle Verbreitungsgebiet von Oenanthe conioides auf weitere Vorkommen hin abgesucht.

Populationsdynamik und Lebenszyklus

Außergewöhnliche Existenzbedingungen prägen die Süßwasser-Tideröhrichte. Regelmäßige Überflutung, hoher Nährstoffgehalt und gute Durchlüftung des Bodens, aber auch die durch das Wechselspiel von Erosion und Aufschlickung geprägte Auendynamik sind typisch für diese Standorte. Die Anpassung von Oenanthe conioides an diesen Lebensraum sollte untersucht werden. Ein genaues, flächendeckendes Monitoring der bestehenden Populationen sollte einen wesentlichen Beitrag zur Klärung offener Fragen zur Populationsbiologie und Ökologie der Pflanze leisten. Die Beobachtung der Populationsdynamik über mehrere Jahre, des jahreszeitlichen Rhythmus von Keimung, Etablierung, Aufwuchs, Blüte sowie Samenproduktion und -freisetzung und Konkurrenz brachten Aufschluss über die natürliche Entwicklung der Populationen und den Lebenszyklus der Art. Der jahreszeitliche Rhythmus wurde mit Hilfe eines eigens für Oenanthe conioides entworfenen Phänologieschlüssels dokumentiert.

Natürliche Standorte

Mit Ausnahme einiger kleiner unbeständiger Vorkommen (Priele bei Glückstadt, NSG Haseldorfer Binnenelbe, Graben im Neu Wulmstorfer Moor und Peutehafen) wurden alle aktuellen Fundorte des Schierlings-Wasserfenchels im Tidebereich von 2000-2002 jährlich einmal in der Zeit von Juni bis August aufgesucht. In jeder Population wurde die Abundanz durch eine Zählung oder Schätzung (bei großen Beständen) aller Individuen festgestellt. Zur Untersuchung der Vitalität wurden Keimlinge, Rosetten und adulten Pflanzen getrennt ermittelt Sechs der nachgewiesenen Populationen haben nur sehr geringe Individuenzahlen und sind möglicherweise über die Jahre nicht sehr beständig. Die Gesamtsumme der im Sommer 2000 im Tidegebiet gefundenen Pflanzen betrug 1370, im Ju-li/August 2001 waren es mit 1260 Individuen etwas weniger. Im Juli 2002 wurden etwa 2100 Pflanzen gezählt, deutlich mehr als in den Vorjahren. Der Anteil der adulten Exemplare betrug 2000 mit 102 Pflanzen ca. 7 % und 2001 mit 357 etwa 28 %. Das Jahr 2002 lag mit 397 Adulten, das sind ungefähr 19 %, zwischen den Werten der beiden vorangegangenen Jahre. Entsprechend des Beobachtungszeitpunktes im Hochsommer wurden jeweils nur wenige Keimlinge notiert. Der Zuwachs der Individuenzahlen im Jahr 2002 ist durch eine Verdoppelung der Individuenzahlen im Heuckenlock zu erklären. Etwa 72 % aller Pflanzen wurden 2002 am Hauptstandort der Art im Heucken-lock gezählt, in den Jahren davor waren es nur jeweils die Hälfte (2000/2001: 49 %). Im Heuckenlock wuchsen 2002 zudem rund 53 % der blühenden und fruchtenden Pflanzen, in den beiden Jahren davor waren es 60-70 % (2000: 64 %, 2001: 69 %).

Der Durchschnittswert der Reproduktionsrate aller Populationen beträgt von 2001 auf 2002 31 % und von 2000 auf 2001 36 % (Populationen, die nicht in allen Jahren kontrolliert wurden, nicht eingerechnet). Die hohen Schwankungen zwischen den verschiedenen Jahren zeigen die Variabilität solcher Verhältnisse.

Die einzige Population in sehr gutem Zustand wächst demnach im NSG Heuckenlock. Mit großem Abstand folgt eine als gut bewertete Population im NSG Schweenssand. Alle anderen Vorkommen sind klein, großen Bestandesschwankungen unterworfen und daher in ihrem Fortbestand gefährdet.

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(Fotos: Planula, Kurz, Below)

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Anlage eines Dauerquadrates zum Monitoring der Vegetationsentwicklung am natürlichen Standort von Oenanthe conioides im NSG Schweenssand, August 2000. (Foto Planula)