Laden der Hauptseite zum Projekt Schierlings-WasserfenchelE + E - Vorhaben "Pilotprojekt Schierlings-Wasserfenchel"
Ein Projekt des Botanischen Vereins zu Hamburg e. V.

Versuchsanlage mit Tidebecken

Im Rahmen des E+E-Vorhabens stand für den Botanischen Garten der Universität Hamburg, die Aufgabe, eine Ex-situ-Kultur von Oenanthe conioides aufzubauen. Die Realisierung dieser Aufgabe wurde als Teilprojekt der wissenschaftlichen Begleituntersuchungen definiert und sollte folgenden Zielen dienen:

  1. Anzucht von dokumentiertem Material für Versuche und Beobachtungen zur Blüten- und Fruchtbiologie, Morphologie, Anatomie und Genetik
  2. Anzucht von dokumentiertem Material für eventuelle Ausbringungsvorhaben
  3. Vermehrung von Oenanthe conioides als Rückversicherung gegen das Erlöschen an natürlichen Wuchsorten (Erhaltungskultur).

Die zu diesem Zweck errichtete Versuchsanlage bestand aus drei Kulturbecken, in denen über ein System von Schaltuhren und Pumpanlagen ein tide-ähnlicher Wechsel des Wasserstandes simuliert wurde. Die Becken waren 3 x 1,50 x 1,50 m groß und wurden jeweils mit einer mehrstufigen Stahlkonstruktion ausgerüstet, mit deren Hilfe die Simulation unterschiedlicher Überflutungshöhen möglich wurde. Zusätzlich zu den großen Versuchsbecken wurden 6 kleinere Becken für verschiedene Teilversuche im Rahmen der wissenschaftlichen Begleituntersuchung installiert.

Nachdem zu Beginn des E+E-Vorhabens zunächst vor allem die Anzucht von Versuchspflanzen für die verschiedenen Teilprojekte und die oben dargestellten Teiluntersuchungen im Vordergrund stand, trat im weiteren Verlauf die Frage der dauerhaften Installation einer Erhaltungskultur von Oenanthe conioides in den Vordergrund. Die aus der Biologie der Art (2-jähriger Lebenszyklus, hohe Tendenz zur Hybridisierung mit Oenanthe aquatica) und aus den durchgeführten Anzuchten resultierenden Erfahrungen machten dabei bald deutlich, dass eine den üblichen Ansprüchen gerecht werdende Erhaltungskultur eine große Herausforderung darstellen würde und wahrscheinlich an die räumlichen und personellen Grenzen des Botanischen Gartens stoßen würde. In diesem Zusammenhang galt es alternative Methoden der dauerhaften Ex-situ-Erhaltung des genetischen Potentials von Oenanthe conioides zu prüfen und neben der gärtnerischen Kultur auch Verfahren, wie Gewebekultur (In-vitro-Vermehrung) und Kryokonservierung anzuwenden. Sämtliche Anzuchten die im Rahmen des Projektes durchgeführt wurden, sind in einem Zuchtbuch dokumentiert.

Ergebnisse

Prinzipiell hat sich die Anzucht von Oenanthe conioides aus Saat unterschiedlichster Herkunft als unproblematisch erwiesen, d.h. alle Aussaaten zeichneten sich durch hohe Keimungserfolge aus, die meist deutlich über 90% lagen. Auch die weitere Kultur der Keimlings- und Jungpflanzen ist aus gärtnerischer Sicht unproblematisch, so dass in dieser Hinsicht gute Voraussetzungen für eine Erhaltungskultur gegeben sind.

Als problematisch erscheint dagegen die Gewährleistung der genetischen Reinheit der kultivierten Pflanzen. Ein weiteres Problem einer langfristigen Ex-situ-Kultur besteht in der dauerhaften Simulation der im Falle von Oenanthe conioides sehr speziellen Standortbedingungen. Auch die parallel geprüften Verfahren der Kryokonservierung und der Gewebekultur haben sich bisher als wenig erfolgversprechend erwiesen. Die ebenfalls versuchsweise durchgeführte In-vitro-Kultur von Knospenmaterial (Achselknospen oder Sproßknospen) von Oenanthe conioides sollte bei weiterer Verbesserung der Versuchsbedingungen unproblematisch sein. Theoretisch würde diese Methode die Möglichkeit eröffnen, in kurzer Zeit große Zahlen von genetisch identischen Oenanthe-Individuen zu produzieren. Unter dem Aspekt der ohnehin eingeschränkten genetischen Vielfalt der relativ kleinen natürlichen Restpopulationen des Schierlings-Wasserfenchels bleibt es allerdings mehr als fraglich, ob dieses Klonmaterial im Sinne der Projektziele einsetzbar wäre.

Eine relativ aufwendige Alternative, welche die Möglichkeiten von Gewebekultur und Krykonservierung verbindet, könnte darin bestehen, dass Samen von genetisch eindeutig charakterisierten Pflanzen zur Aussaat gebracht werden und die daraus resultierenden Pflanzen über Gewebekultur klonal vermehrt werden. Zur Erhöhung der genetischen Vielfalt müsste sich daran eine kontrollierte kreuzweise Bestäubung zwischen den verschiedenen Klonlinien anschließen und die daraus resultierende Saat könnte dann normal kryokonserviert werden.

Zusammenfassend müssen die Möglichkeiten für eine dauerhafte Ex-situ-Erhaltung der genetischen Ressourcen von Oenanthe conioides durch die Installation einer klassischen Erhaltungskultur im Botanischen Garten der Universität Hamburg als sehr gering eingeschätzt werden. Eine mögliche Alternative könnte die oben skizzierte Kombination von gärtnerischer Kultur und In-vitro-Vermehrung mit nachgeschalteter Krykonservierung sein. Eine zweite Alternative könnte aus den im Rahmen des E+E-Vorhabens gewonnenen Erkenntnissen zur Samenbank und zum Keimungsverhalten von Oenanthe conioides resultieren und in der fallweisen gezielten und kontrollierten Aufbringung von Substrat mit nachgewiesenem Samengehalt bestehen. Auf diese Weise könnten potentiell geeignete Standorte zumindest temporär mit Oenanthe coinioides besiedelt werden und es könnte eine hinreichende genetische Vielfalt des genetischen Potentials der Art garantiert werden.

 

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Die Anlage zur Simulation der Tidetidebe2.jpg (27630 Byte)
Tide-Versuchsbecken im Juni 2001, bestückt mit Töpfen zu den Versuchen zu Konkurrenz und Ökologische Anpassungtidebe3.jpg (30558 Byte)
Die Stufen des Gerüstes haben einen Abstand von 20 cm
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Flaches Becken mit Oenanthe conioides und Oenanthe aquatica, Mai 2001