Laden der Hauptseite zum Projekt Schierlings-WasserfenchelE + E - Vorhaben "Pilotprojekt Schierlings-Wasserfenchel"
Ein Projekt des Botanischen Vereins zu Hamburg e. V.

Konkurrenzbiologie des Schierlings-Wasserfenchels

Der Schierlings-Wasserfenchel ist eine Pflanze der Tide-Flussufer, die als typischer Vertreter extremer Lebensräume in einer zwar artenarmen, aber individuenreichen Vegetation lebt. An vielen Stellen, an denen diese Art gefunden wurde, wächst sie allein und steht nicht in Konkurrenz zu anderen Pflanzen. An anderen Stellen jedoch und zwar gerade an ihren Verbreitungsschwerpunkten NSG Heuckenlock und NSG Schweenssand leben die Individuen in dichter Vegetation, die teils aus Schilfröhricht, teils aus niederliegenden Weidengebüschen und teils aus dicht schließenden krautigen Monokulturen von Scharbockskraut, Wasserpfeffer oder Brunnenkresse besteht.

Wie kann der Schierlings-Wasserfenchel sich in dieser Konkurrenzsituation ansiedeln und wie kann er bis zur Diasporenreife bestehen? Verschiedene Möglichkeiten sind denkbar:

  • er kann als starker Konkurrent und besserer Nutzer von Ressourcen andere Pflanzen in seiner Umgebung unterdrücken,
  • er kann dies durch Wurzelkonkurrenz und bessere Ressourcennutzung erreichen,
  • er kann dies durch Konkurrenz um Licht im Sprossbereich erreichen,
  • er kann sich in Konkurrenzsituationen durch steilere Blattstellung, verlängerte Blattstiele oder Sprosse so verändern, dass er sich zwischen anderen Pflanzen hindurch schiebt,
  • er kann durch eine besondere Ausbreitungsform und "Steuerung" der Diasporenanlandung in diesem Lebensraum Nischen bzw. Flächen ausnutzen, die anderen Pflanzen versperrt sind.
  • er kann sich durch seine besondere Lebensform so zwischen die Lebenszyklen anderer Arten schieben, dass er konkurrenzarme Situationen bzw. Jahreszeiten nutzt.

Welche dieser Möglichkeiten verwirklicht wird, sollte unsere Untersuchung klären. Die Antwort ist sehr wichtig für das Verständnis der Populationsdynamik der Art. Auf diese Weise kann man herausfinden, wo begrenzende Faktoren auf die Populationsgröße der Art wirken.

Ergebnisse

Bei seiner Anordnung entlang des Überflutungs-Gradienten wird der Schierlings-Wasserfenchel auch von der Konkurrenz mit anderen Pflanzen beeinflusst. Die hier in einer Tide-Simulationsanlage untersuchte Konkurrenz zwischen Brunnenkresse und Schierlings-Wasserfenchel zeigt deutlich, dass unter bestimmten Voraussetzungen folgende Konkurrenzeffekte wirken:

  1. Ohne Konkurrenz wächst Schierlings-Wasserfenchel immer besser, je tiefer er steht. (In der Versuchsanlage konnte der Optimalpunkt noch nicht überschritten werden.) Die Reproduktion ist dagegen in den höheren Stufen besser.
  2. Die Konkurrenz mit Brunnenkresse ist im oberen Dezimeter des Tidenhubs und bei geringer Dichte der Individuen nicht nachweisbar. Bei gleicher Individuenzahl erzeugen beide Arten zusammen mehr Biomasse als Schierlings-Wasserfenchel allein.
  3. In einem mittleren Bereich zwischen 10 und 75 cm unterhalb MThw und bei mittlerer Dichte der Individuen macht sich eine starke Konkurrenz durch Brunnenkresse bemerkbar, die die Biomassebildung des Schierlings-Wasserfenchels beeinträchtigt. Die Brunnenkresse erreicht innerhalb von drei Monaten eine höhere Biomasse als der Schierlings-Wasserfenchel.
  4. Tiefer als 75 cm unter MThw verliert Brunnenkresse ihre Konkurrenzkraft. Die Biomasse des Schierlings-Wasserfenchels wird wieder größer als die der Brunnenkresse. Auch die Überlebensfähigkeit und Reproduktionsleistung des Schierlings-Wasserfenchels steigt auf der untersten Stufe wieder an.
  5. Bei sehr hohen Individuendichten in den Töpfen verliert Brunnenkresse zwar ebenfalls an Konkurrenzkraft, übt aber immer noch eine stärkere interspezifische als intraspezifische Konkurrenz aus.
  6. Es setzt sich diejenige der beiden Arten durch, die früher keimt. Dieser Effekt ist bedeutender, als die Konkurrenz um Ressourcen.

Abschließend lässt sich festhalten, dass bezüglich der Biomasseentwicklung Brunnenkresse einen deutlichen Einfluss auf den Schierlings-Wasserfenchel, vor allem im Bereich der mittleren Überflutungshöhen ausübt. Überraschend war an diesen Versuchen vor allem, dass die Biomasseentwicklung nicht vollständig auf Überleben und Reproduktionserfolg durchschlug. Sowohl Biomasse wie Reproduktion reflektierten die ausgeprägte Konkurrenz der Brunnenkresse in den mittleren Tiefen, während bei der Biomasse aber die Schierlings-Wasserfenchel-Pflanzen bei großer Überflutungshöhen erfolgreicher waren, waren es bei der Reproduktion die unter geringeren Überflutungshöhen.

Bei gleicher Größe und gleicher Anzahl vermag Brunnenkresse Schierlings-Wasserfenchel nicht zu verdrängen und auch nicht wesentlich stärker zu schädigen, als die gleiche Anzahl artgleicher Pflanzen. Letztendlich konnte die Brunnenkresse den Schierlings-Wasserfenchel nur in wenigen Fällen zum Absterben bringen. Wenn seine Reproduktion im Folgejahr stattfindet, ist die meist einjährige Brunnenkresse bereits wieder abgestorben und kann sich unter den großen Pflanzen kaum noch ansiedeln.

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Abb. 1: Schierlings-Wasserfenchel mit Brunnenkresse am neuen Priel in Overhaken, Juli 2001

Versuchsaufbau

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Abb. 2: Anordnung der Töpfe und Pflanzen in den Versuchsbecken und auf dem Versuchsgestell. Rechts hinten sind die Schläuche zum Ein und Auspumpen des Wassers zu erkennen. (Foto Below)

"Raumversuch"

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Abb. 3: Ansätze bei den räumlichen Konkurrenzversuchen auf jeder der fünf Höhenstufen in den Tidebecken, zufällig verteilt auf alle vier Becken

"Zeitversuch"

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Abb. 4: Zeitversuch in einem Tidebecken zum Zeitpunkt der Pflanzung des Schierlings-Wasserfenchels zusammengestellt. In jeder Stufe rechts oben die vier Ansätze "4 Wochen vorher", links oben "1 Woche vorher", rechts Mitte "gleichzeitig" und die übrigen "1 Woche nachher" und "4 Wochen nachher" (noch ohne Brunnenkresse).