Laden der Hauptseite zum Projekt Schierlings-WasserfenchelE + E - Vorhaben "Pilotprojekt Schierlings-Wasserfenchel"
Ein Projekt des Botanischen Vereins zu Hamburg e. V.

Vergleichende Untersuchung zur Blattmorphologie

Die Unterscheidung der nahe verwandten Sippen Oenanthe conioides und Oenanthe aquatica geschieht vor allem anhand von Blattmerkmalen. Die Stängelblätter von Oenanthe aquatica haben feine, schmale Endfiederchen von etwa 1 mm Breite, während jene von Oenanthe conioides breiter und runder ausgebildet sind. Sie werden beschrieben als Asplenium adiantum-nigrum-artige, 6-10 mm breite Endfiederchen mit stumpfem Grund. Auch die Blätter der grundständigen Rosetten weisen bei Oenanthe aquatica feinere Endfiederchen auf, als bei Oenanthe conioides. Außerdem gibt es einige Populationen an der Tideelbe mit mittleren Blattformen, die zwischen den beiden Arten zu stehen scheinen.

Eine Besonderheit bei Oenanthe aquatica ist die Bildung von haarfein zerschlitzten Unterwasserblättern in 20-50 cm tiefem Wasser, die bei Oenanthe conioides bisher nur in Kultur beobachtet wurden. Bei den Untersuchungen von BELOW 1997 (Auspflanzung in Still- und Fließgewässern) wurde bei Oenanthe conioides hingegen keine Bildung von Unterwasserblättern festgestellt. Die vergleichende Kultivierung verschiedener Populationen unter Tide- und Überstauungsbedingungen soll zeigen, ob die im Freiland beobachteten Blattformen auch unter Versuchsbedingungen erhalten bleiben und ob es Unterschiede zwischen beiden Arten gibt in der Fähigkeit zur Bildung von Unterwasserblättern. Die Ergebnisse können dazu beitragen, die Zuordnung strittiger Populationen mit intermediären Blattformen im Gelände zu erleichtern.

Versuchsanordnung unter Tidebedingungen

In den vier Becken mit Tidesimulation im Botanischen Garten Hamburg wurden Pflanzen aus verschiedenen Populationen von Oenanthe conioides und einigen in ihrer Zuordnung zu den beiden Schwesterarten kritischen Populationen im Vergleich mit Oenanthe aquatica-Populationen aus dem Umland kultiviert.

Auswertung

Zur Auswertung wurde von jeder Pflanze ein typisches, gut entwickeltes Blatt herbarisiert und digital fotografiert. Außerdem wurde die Blattform nach den Kategorien grob, mittel, fein eingestuft: Beim Tideversuch wurden am Computer Blattumfang und -fläche errechnet. Beim Überstauungsversuch wurde notiert, ob die unter Wasser wachsenden Blätter anders geformt waren, als die übrigen.

Ergebnisse

Die Pflanzen zeigten sowohl unter Tide- als auch unter Überstauungsbedingungen eine ähnliche Blattmorphologie wie im Gelände. Dies spricht für eine genetische Fixierung der Blattform. Die Einordnung anhand von Bestimmungsmerkmalen wurde durch die Ermittlung von Blattflächenindices überprüft. Auch hier konnten conioides-Formen von intermediären und aquatica-Blattformen unterschieden werden. Es gab allerdings Überschneidungen zwischen den Arten, d. h. der Blattflächenindex reicht zur eindeutigen Bestimmung nicht aus. Die strittigen Populationen bildeten, ebenso wie Oenanthe aquatica, bei Überstauung Unterwasserblätter und/oder Übergangsblätter. Typische conioides-Populationen taten dies in keinem Fall. Die Untersuchungen zeigen deutliche Unterschiede zwischen Oenanthe conioides und Oe. aquatica, die aber nicht immer eine klare Differenzierung erlauben. Außerdem wird deutlich, dass die intermediären Populationen Oenanthe aquatica sehr nahe sind. Ob es sich allerdings um aquatica-Populationen, Hybridbestände oder conioides-Vorkommen mit untypischen Blattformen handelt, konnte nicht abschließend geklärt werden.

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Feiner, mittlerer und grober Blattschnitt bei den vergleichenden Kultivierungen von Oenanthe conioi-des, Oe. aquatica und intermediären Populationen in den Tidebecken (Herkünfte von oben nach unten: Spülfeld Rhee, Spülfeld Glückstadt und Heuckenlock)

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Bei ständiger Überstauung gebildete Blattformen: sehr feine Unterwasserblätter (Spülfeld Pagensand), Übergangsblätter (Spülfeld Glückstadt), grob gefiederte Landblätter (Heuckenlock)