Laden der Hauptseite zum Projekt Schierlings-WasserfenchelE + E - Vorhaben "Pilotprojekt Schierlings-Wasserfenchel"
Ein Projekt des Botanischen Vereins zu Hamburg e. V.

Vergleichende vegetative Anatomie von
Oenanthe conioides
und Oenanthe aquatica

Der Lebensraum des Schierlings-Wasserfenchels (Oenanthe conioides) zeichnet sich durch eine hohe natürliche Dynamik aus, die u.a. durch den Tide-Einfluß, Sturmfluten und Eisgangereignisse gekennzeichnet ist und durch anthropogene Einflüsse zusätzlich verstärkt wird. Zu den vielfältigen Faktoren, die exogen auf das Ökosystem einwirken, kommen die besonderen ökologischen Standortbedingungen, die vor allem durch das tidebedingte periodische Überfluten und Austrocknen des Substrates bestimmt werden. Für ein erfolgreiches Überdauern unter derart extremen Lebensbedingungen sind neben einem effektiven Ausbreitungssystem vor allem Anpassungen im morphologisch-anatomischen Bereich zu erwarten.

Vor diesem Hintergrund sollte der Merkmalsbestand der vegetativen Organe von Oenanthe conioides erfasst und mit dem der Schwesterart Oenanthe aquatica verglichen werden.

Es wurden Wurzel-, Sproß- und Blattproben unterschiedlicher Herkunft licht- und elektronenmikroskopisch untersucht.

Der anatomische Vergleich hat gezeigt, dass sich die beiden untersuchten Arten durch eine weitestgehende Übereinstimmung ihrer Wurzel-, Sproß- und Blattmerkmale auszeichnen. In wenigen Merkmalen konnten signifikante Unterschiede, wie der Zahl der Xylemstrahlen in der Wurzel, der Gestalt des peripheren Festigungssystems in Spross, Blatt-Rhachis und Laubblatt und in der Zahl der Mesophyllschichten des Laubblattes festgestellt werden. Besonders bemerkenswert ist der Befund, dass sich die Epidermiszellen des Laubblattes von Oenanthe conioides durch das mehr oder weniger regelmäßige Auftreten ölartiger Substanzen auszeichnen.

Die große anatomische Nähe beider Arten stimmt mit den Ergebnissen der genetischen Analysen überein und könnte darauf hindeuten, dass zwischen den Populationen beider Sippen derzeit (noch) keine wirkungsvollen Kreuzungsbarrieren bestehen, so dass wechselseitiger Genaustausch relativ häufig ist.

Über den Artenvergleich hinaus konnten eine Reihe interessanter anatomischer Befunde festgestellt werden, die in starkem Maße von den wechsel- bzw. dauerfeuchten Standortbedingungen geprägt sind. Dazu gehört die Ausgestaltung eines typischen Durchlüftungsgewebes (Aerenchym), das in Wurzeln, Achsen und Blättern beider Arten nachgewiesen wurde. Auch die Ausprägung des Festigungsgewebes, das in den Achsen in Form eines Innen- und Außenskelettes auftritt, ist bemerkenswert. Familientypisch ist das Exkretionssystem, das bei beiden Arten in allen Teilen der Pflanze in Form von schizogenen Sekretgängen entwickelt ist.

Wurzel-,

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Spross- und

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Blattmerkmale

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