Laden der Hauptseite zum Projekt Schierlings-WasserfenchelE + E - Vorhaben "Pilotprojekt Schierlings-Wasserfenchel"
Ein Projekt des Botanischen Vereins zu Hamburg e. V.

Systematik und Taxonomie

Oenanthe conioides wurde 1851 von SONDER erstmalig als eine "eigenthümliche Form" von Oenanthe aquatica auf den Elbinseln beschrieben und daraufhin von verschiedenen Autoren für wenige Stellen an der Elbe erwähnt, so z. B. von PRAHL (1890) bei Flottbek, Teufelsbrück und Nienstedten. JUNGE versuchte 1911 als erster, die Verbreitung dieser Sippe umfassender darzustellen und lieferte damit die Vergleichsgrundlage für die Einschätzung der Gefährdung und des Rückgangs (veröff. in JUNGE 1912). RAABE (1978) und GARVE (1993) konstatieren in den letzten Jahrzehnten einen deutlichen Rückgang von Oenanthe conioides.

Die taxonomische Stellung von Oenanthe conioides ist noch unklar. Einige Autoren betrachten sie als eine Form, Varietät oder Unterart von Oenanthe fluviatilis (OSTENFELD 1913 zit. in HEGI 1935, TUTIN et al. 1968, COOK 1968 zit. in ETTL et al. 1981) oder Oenanthe aquatica (KNUTH 1888, GLÜCK 1911, PASCHER 1936, HAEUPLER & SCHÖNFELDER 1989) oder als deren Bastard (FOURNIER 1961). Andere, wie REICHENBACH (1867) und JUNGE (1912), behandeln sie als gut unterschiedene Sippe oder eigene Art. Der Schierlings-Wasserfenchel ist von Oe. fluviatilis geographisch getrennt (letzteren gibt es nur im Oberrheingebiet) und von beiden verwandten Sippen anhand der Morphologie der Blätter meistens gut abzugrenzen (s. dazu die Abbildung in REICHENBACH 1867). Da Oenanthe conioides in den Ästuaren von Ems und Weser nicht vorkommt, in deren Kontaktbereich Oe. aquatica aber zu finden ist, wird hier vorerst davon ausgegangen, dass es sich nicht um eine standortabhängige Form von Oenanthe aquatica oder Oe. fluviatilis im Tidebereich handelt, sondern um eine genetisch eigenständige Sippe.

Anhand von Herbarmaterial wurde die Morphologie, Systematik und Chorologie von Oenanthe subgenus Phellandrium untersucht, in der die drei Arten Oe. aquatica, Oe. conioides und Oe. fluviatils zusammengefasst sind. Die drei Arten besiedeln allesamt aquatische Lebensräume, aber diese sind durch jeweils unterschiedliche standörtliche Parameter geprägt. Die Arten lassen sich eindeutig anhand ihrer Blattmorphologie differenzieren und zumindest bei Oe. conioides und Oe. aquatica anhand von aus dem Verhältnis von Blattumfang zu Blattfläche errechneten Kennziffern charakterisieren. Die spezifische Ausprägung dieser Merkmale steht in engem Zusammenhang mit dem jeweiligen Lebensraum. Oe. aquatica hat das größte Areal, es reicht von Westeuropa bis Zentralasien, sie kommt in stehenden oder langsam fließenden Gewässern vor, oft in periodisch trocken fallenden Tümpeln. Oe. fluviatilis hat ein disjunktes Areal mit Schwerpunkt in Westeuropa und einigen Vorkommen in Russland. Sie kommt in rasch fließenden Gewässern vor. Oe. conioides ist ein Endemit des Süßwasser-Tidegebietes der Elbe. Vorkommen außerhalb dieses eng umgrenzten Gebietes ließen sich nicht bestätigen. Durch Kreuzung von Oe. aquatica mit Oe. conioides wurde eine Hybridnachkommenschaft erzeugt, deren Blattformen intermediäre Ausprägung zwischen denen der Elternarten aufweisen.

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Blattschnittspektra
Oben Oenanthe aquatica, Mitte die Nachkommenschaft der Kreuzungen, unten Oe. conioides.

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Vergleich der Blattschnitte von Oenanthe fluviatilis, Oe. aquatica und Oe. conioides anhand der Blattschnittindices.
c, d: Obere Stengelblätter und infloreszenznahe Blätter
b, e, f: Rosettenblättern
a: Jugendblätter von Oe. conioides