Laden der Hauptseite zum Projekt Schierlings-WasserfenchelE + E - Vorhaben "Pilotprojekt Schierlings-Wasserfenchel"
Ein Projekt des Botanischen Vereins zu Hamburg e. V.

Genetische Variation

Im Rahmen dieses Projektes wurden in Mainz die Verwandtschaftsverhältnisse und die genetische Struktur der Art Schierlings-Wasserfenchel (Oenanthe conioides) mit ITS-Sequenzen und AFLP-Fingerprintmustern untersucht. Es wurde versucht,

  • die Verwandtschaft und Evolution der Art,
  • ihren systematischem Status,
  • ihre genetische Struktur besser zu verstehen,
  • und die Ergebnisse in Zusammenhang mit der Bedrohung der Art zu interpretieren.
Ergebnisse

Das Populationssystem von Oe. conioides ist sehr kleinräumig. Eine genetische Differenzierung durch geographische Isolation konnte nicht festgestellt werden. Zwischen den einzelnen Populationen hat vermutlich schon immer in starkem Maße Genfluss stattgefunden hat. Angesichts einer vermuteten hohen Migrationsrate können gewachsene genetische Strukturen durch Extinktions- und Neubesiedlungsereignisse rasch überlagert und homogenisiert werden. In diesem Sinne können die acht genetisch eindeutigen Oe. conioides Populationen als die fragmentierten Überreste einer noch vor 100 Jahren sehr großen Metapopulation angesehen werden, die aufgrund der hohen genetischen und demographischen Populationsdynamik in ihrer Gesamtheit geschützt werden sollte. Vier weitere zuvor als Oenanthe conioides bestimmte Populationen im Außendeichsbereich der Niederelbe lassen sich aufgrund von AFLP-Analysen nicht zweifelsfrei genetisch dieser Art zuordnen. Sie weichen allerdings auch morphologisch oder durch die Genese des Substrats oder durch aktuelle ökologische Parameter (geringer Tide-Einfluss) von den übrigen Populationen ab. Ob es sich hierbei um Hybridpopulationen handelt, kann diese Studie nicht beantworten.
Wenn Extinktionsereignisse weitaus häufiger sind als Wiederbesiedlungsereignisse, ist die Metapopulation von Oenanthe conioides ernsthaft gefährdet. Verstärkt werden könnte diese Gefährdung dadurch, dass Inzucht und genetische Drift zu genetischer Verarmung und damit verbunden zu reduzierter Fitness führen können. Oenanthe conioides und Oe. aquatica können miteinander hybridisieren, kommen aber in unterschiedlichen Lebensräumen vor und sind daher ökologisch getrennt. Bei gemeinsamem Vorkommen bei gleichzeitigem Fehlen reproduktiver Isolation könnte Oe. conioides von Oe. aquatica genetisch assimiliert werden. Dies ist bisher allerdings nicht geschehen, obwohl von einem ständigen Eintrag von Oe. aquatica aus den Nebenflüssen, in den Lebensraum Tide-Elbe auszugehen ist. Dennoch sollte eine stärkere Verzahnung ihrer beiden Lebensräume vermieden werden. Darauf wäre etwa bei Rückdeichungsmaßnahmen zu achten. Da die genetischen Unterschiede zwischen den Populationen von Oe. conioides gering sind und ohnehin eine Durchmischung stattfindet, kann unbedenklich Material von allen "reinen" größeren Populationen als Ausgangsmaterial für eventuelle Populationsneugründungen oder Populationsvergrößerungen verwendet werden.

 

 

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Sammelpunkte von Oe. conioides und Oe. aquatica in und um Hamburg

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NJ-Baum mit 30 Individuen von Oenanthe aquatica und Oe. conioides, die im Hamburger Raum gesammelt wurden