Laden der Hauptseite zum Projekt Schierlings-WasserfenchelE + E - Vorhaben "Pilotprojekt Schierlings-Wasserfenchel"
Ein Projekt des Botanischen Vereins zu Hamburg e. V.

Gefährdungssituation

Aktuelle Bestandssituation

Die Verbreitungskarte stellt die gegenwärtige Verbreitung von Oenanthe conioides dar. Der Schierlings-Wasserfenchel gehört zu den am besten erfassten Arten in Hamburg. Die Daten wurden in den Jahren 1995 bis 2002 erhoben und damit über einen Zeitraum von sieben Jahren summiert. Es kann also sein, dass die Einzelvorkommen oft nur durch wenige Pflanzen repräsentiert sind und in einigen Fällen bereits wieder erloschen sein können. Eine eingehende Analyse von neun Populationen während des Projektverlaufs zeigt, dass nur der Zustand der Population im NSG Heuckenlock als hinreichend groß und stabil und damit als sehr gut bewertet werden kann. Mit großem Abstand folgt eine als gut bewertete Population im NSG Schweenssand am gegenüberliegenden Ufer. Alle anderen Vorkommen sind klein, großen Bestandsschwankungen unterworfen und daher in ihrem Fortbestand potentiell gefährdet. Die Art ist bundesweit betrachtet und auch bezogen auf das Areal im Bereich der Niederelbe extrem selten.

Bestandsentwicklung in der Vergangenheit

Die langfristige Bestandsentwicklung in den letzten hundert Jahren ist durch einen starken Rückgang gekennzeichnet, wobei die stärkste Abnahme in die Zeit nach 1962 gefallen sein dürfte, als großflächige Vorkommen in der Haseldorfer Marsch oder an der Alten Süderelbe durch Vordeichungen dem Tide-Einfluss entzogen wurden. Ob die Art innerhalb der letzten zehn Jahre in schnellerem oder gleichbleibendem Maße zurückgegangen ist, kann bei der unsteten Lebensweise der zweijährigen Art nur schwer abgeschätzt werden. Das gilt auch für eine etwaige Verlangsamung oder gar einen Stillstand der Rückgangstendenz.
Wichtigster Risikofaktor ist der Verlust von Lebensräumen. Die Art ist eng an strömungsberuhigte Schlickufer im Tide-Bereich der Elbe gebunden. Die Zahl der besiedelbaren Standorte hat stark abgenommen, und nicht jeder potentielle Standort wird auch besiedelt. Dies ist der primäre Grund für den starken Rückgang der Art. Jede weitere Vernichtung entsprechender Standorte trägt dazu bei, ihr Aussterberisiko zu erhöhen. Jede Neuschaffung schlickiger und dabei strömungsarmer Uferbereiche verbessert ihre Überlebenschancen.

Risikofaktor Tidelebensraum

Da Oenanthe conioides vorwiegend auf strömungberuhigte Uferbereiche beschränkt ist, kann mit jeder Änderung des Strömungsregimes der Tide-Elbe potentiell eine komplexe und schwer vorhersehbare Änderung der Lebenssituation der Art verbunden sein. Eine zunehmende Trübung des Elbwassers könnte die Art ebenfalls beeinträchtigen. Ein Ölunfall im Moorburger Hafen hat im Jahre 1984 das seinerzeit individuenreichste Vorkommen Hamburgs offenbar so geschädigt, dass seitdem hier nur noch vereinzelte Pflanzen angetroffen werden. Ähnliche Fälle sind auch in Zukunft nicht ausgeschlossen. An natürliche katastrophale Ereignisse wie Eisgang oder Sturmfluten ist die Art jedoch dank ihrer langlebigen Samenbank angepasst, sie profitiert im Gegenteil davon, dass auf diese Weise neue Störstellen geschaffen werden, auf denen sie sich etablieren kann. Großflächig sich entwickelnde Röhrichte ohne Störstellen engen ihren Lebensraum ein. Fraglich ist daher, ob ein Wiederanschluss ehemaliger Tidegewässer mit "gebremster" Tide, d.h. ohne Eisgang oder Sturmfluten, geeignet ist, um dauerhaft Lebensräume für Oenanthe conioides zu schaffen.

Risikofaktoren Diasporenproduktion und Diasporenbank

Das Fortpflanzungssystem des Schierlings-Wasserfenchels ist hinreichend flexibel, so dass auch einzeln stehende Pflanzen reichlich Diasporen bilden können. Die Diasporenbank ist hinreichend langlebig. Ausbreitungsfähigkeit und Verjüngung stellen keine Engpässe im Lebenszyklus dar. Unsicher ist, ob die aktuelle Diasporenproduktion der Metapopulation für deren langfristiges Überleben ausreichend ist. Denkbar wäre angesichts des vermuteten starken Austrages von Verbreitungseinheiten aus den geeigneten Lebensräumen heraus in die Stromelbe ein negativer Rückkopplungseffekt aus abnehmender Rekrutierung und zurückgehender (Gesamt-) Diasporenproduktion. Im Teilareal westlich des Hamburger Hafens gibt es keine großen und stabilen Populationen mit reichlicher Samenproduktion mehr, sondern nur noch solche, die aus wenigen Pflanzen bestehen. Im östlichen Teilareal gibt es immerhin noch das NSG Heuckenlock als Diasporenquelle. Der dazwischen liegende Bereich weist weitgehend verbaute Ufer auf. Es wird empfohlen, wo immer möglich ausreichend große und stabile Populationen westlich des Hafens zu schaffen und den Bereich der verbauten Hafenufer, dort wo es möglich ist zu renaturieren oder mindestens durch Schaffung von Pflanztaschen als Trittsteine mit Anschluss an das Strömungsnetz der Elbe vorzusehen.

Genetische Risikofaktoren

Auch genetische Gründe sprechen dafür, alle vorhandenen Standorte zu schützen und wo möglich neue zu schaffen. Nur eine ausreichend große Metapopulation kann langfristig das Überleben der Art sichern. Eine Ansiedelung von Material, das aus den verbliebenen "reinen" Populationen gewonnen wurde, ist angesichts der genetischen Einheitlichkeit unbedenklich. Problematisch sind einige Populationen, die Übergänge zu Oenanthe aquatica zeigen. Möglicherweise handelt es sich um Hybridpopulationen. Hier sind weitere Untersuchungen erforderlich.


Verbreitung


Rückgang der Tidelebensräume der letzten 90 Jahre