Laden der Hauptseite zum Projekt Schierlings-WasserfenchelE + E - Vorhaben "Pilotprojekt Schierlings-Wasserfenchel"
Ein Projekt des Botanischen Vereins zu Hamburg e. V.

Verantwortlichkeit und Schutzmaßnahmen

Für die Erhaltung des Schierlings-Wasserfenchels haben die Bundesrepublik Deutschland sowie die Bundesländer Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein eine besondere Verantwortung. Sie kommen dieser Verantwortung nach durch eine regelmäßige Bestandserfassung im Rahmen des FFH-Monitorings und die weitere Durchführung von Schutzmaßnahmen. Weitere Schaffungen von geeigneten Habitaten verbunden mit Ansiedlungsmaßnahmen werden als sinnvoll und wichtig angesehen.

Empfehlungen für Schutzmaßnahmen im Süßwassergezeitenbereich der Elbe

Gewässergestaltung

Wenn ein Gewässer für Ansiedlungsmaßnahmen neu - oder umgestaltet oder für eine spontane Besiedlung hergerichtet werden soll, sind folgende Vorgaben zu beachten:

  1. Das Vorkommen der Pflanze beschränkt sich auf den Süßwassergezeitenbereich der Elbe, Ansiedlungen auf Flächen mit Salzwasser oder ohne Tideeinfluss sind sinnlos.
  2. Die Flächen sollten eine geringe Wind- und Wellenexposition aufweisen: Bevorzugt siedelt sich die Pflanze an den Ufern strömungsberuhigter Seitenarme der Elbe an.
  3. Die Gewässerufer, an denen die Ansiedlungsmaßnahmen stattfinden, sollten flach sein, können aber auch eine Hangneigung von maximal 1:6 bis zu 1:7 aufweisen.
  4. Flächen mit feinkörnigem Substrat (schluffiger Ton, Klei) sind besonders gut geeignet. Im Wattbereich kann sich die Pflanze nur dort ansiedeln, wo sich der Schlick bereits verfestigt hat. Sand kann besiedelt werden, die Pflanzen etablieren sich hier jedoch nicht so gut.
  5. Geeignete Höhenlagen sind insbesondere Bereiche zwischen 0,2 und 0,9 m unterhalb der mittleren Tidehochwasserlinie (MThw). Der obere Bereich zwischen 0,4 und 0,2 m unter MThw sollte bevorzugt bepflanzt werden, da hier der Konkurrenzdruck durch andere Arten relativ hoch ist.
  6. An bereits vorhandenen Gewässerufern sollten Standorte geschaffen werden, die nur teilweise durch krautige Vegetation bedeckt sind und Lücken für eine möglichst ungestörte Entwicklung des Schierlings-Wasserfenchels offen lassen.

Saatgutgewinnung

Für die Saatgutgewinnung müssen beim Naturschutzamt der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg (BSU) die entsprechenden Genehmigungen eingeholt werden. Das Saatgut für die Ansiedlungsversuche muss in typischen Populationen, die eindeutig Oenanthe conioides zuzuordnen sind (Heuckenlock, Schweenssand u.a.) gewonnen werden. Von jeder Pflanze und jeder Population sollte nicht mehr als jeweils 10% der reifen Früchte beerntet werden. Die Ernte der Früchte erfolgt zur Fruchtreife im Juli/August. Die reifen Früchte werden von den Dolden abgestreift und, wenn sie zusammenkleben, über Nacht zum Trocknen ausgebreitet. Diese frischen Früchte können direkt ausgesät werden, es muss keine weitergehende Trocknung oder ein Zerfall der Früchte in Teilfrüchte abgewartet werden. Wenn nur getrocknete Früchte aus den Vorjahren vorliegen, empfiehlt es sich, die Früchte über Nacht vorzuquellen.

Ansiedlung

  1. Pflanzung ist auf Flächen mit vorhandener Vegetation vorzuziehen, erfordert aber einen höheren Aufwand durch die Anzucht. Vorgezogene Jungpflanzen, deren Saatgut wie oben beschrieben gewonnen wurde, können ab einer Größe von etwa 15 cm Durchmesser ausgepflanzt werden
  2. Ansaat ist nur auf Offenboden erfolgversprechend und hier aufgrund des geringen Aufwandes vorzuziehen. Das Saatgut sollte leicht in den Boden eingedrückt werden. Eine Menge von 100 Früchten pro Quadratmeter ist für die Aussaat ausreichend

Möglichkeiten der Erhaltung in ex-situ-Kulturen wurden im Abschnitt 12 beschrieben und bewertet

Fazit

Die erfolgreiche Ansiedlung am neugeschaffenen Standort und die Untersuchungen an den verbliebenen natürlichen Populationen zeigen, dass es möglich ist, die Art unter heutigen Bedingungen zu erhalten und ihren Bestand durch unterstützende Maßnahmen zu vermehren. Wichtigste Schutzmaßnahme ist die Bereitstellung geeigneter Standorte in ausreichender Zahl und Größe. Oenanthe conioides ist nicht nur eine Zielart im Naturschutz, die aufgrund ihrer weltweiten Seltenheit geschützt und gefördert werden muss, sondern stellt auch eine Leitart für den gefährdeten Lebensraum dar. Mit dem Erhalt und Schutz des Schierlings-Wasserfenchels werden auch die entsprechenden, seltenen Tidesüßwasserbiotope geschützt.